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Alexander Eisele: Offener Brief an den DAKfCBNF

In einem Offenen Brief hat der Journalist Alexander W. Eisele den Deutschen Arbeitskreis für CB- und Notfunk (DAKfCBNF) kritisiert. Eisele gilt als profunder Kenner der deutschen CB-Funk-Szene; er war u.a. als Chefredakteur der CB-Zeitschrift "Break" und Herausgeber der "CB-Notizen" tätig.

Wir veröffentlichen den Offenen Brief nachfolgend in vollem Wortlaut. Wie bei allen im FM-FUNKMAGAZIN veröffentlichten Dokumenten gibt der Inhalt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

- wolf -

 

Offener Brief

an die Mitglieder im DAKfCBNF e.V., an die einzelnen Arbeitskreise und an die Deutschen CB-Funker, gleichgültig wo sie organisiert sind

von Alexander W. Eisele DQA334

 

Liebe Funkfreunde,

seit vielen Jahren, mit mehr oder weniger viel Engagement, mit mehr oder weniger Erfolg, aber immer mit der tiefen inneren Überzeugung, daß etwas für den Fortbestand und die Verbesserungen des CB-Funkes getan werden muß, beschäftige ich mich mit dem organisierten CB-Funk. Daß einiges davon nicht realisiert werden konnte, daran habe ich ebensoviel oder auch ebensowenig Anteil wie viele andere aktiven Funkfreunde in unserem Land.

Als vor vielen Jahren Franz J. Ahne die Idee hatte, den Bundestagsbeschluß, nach welchem sich alle CB-Funker in einem Arbeitskreis zusammenschließen sollten, in die Praxis umzusetzen, habe ich ohne zu zögern meine Bereitschaft hier behilflich zu sein, umgesetzt. Doch ganz ohne Zweifel, daß zwischen 1974 und 1975 eine flächendeckende Organisation in Deutschland aufgebaut werden konnte, ist nahezu ausschließlich Franz.J. Ahne zu verdanken. Er war es, der mit viel Kompromißbereitschaft, mit gekonntem Anzapfen der richtigen Quellen, mit unerschütterlicher Beharrlichkeit an dem großen Ziel einer gemeinsamen Organisation gearbeitet hat. Es war nahezu selbstverständlich, daß er zum ersten 1. Vorsitzenden des DAKfCBNF e.V. gewählt wurde.

Einige Funkfreunde, welche die Geschichte des Deutschen CB-Funks kennen, werden nun einflechten, weshalb in der obigen Quasi-Laudatio die Namen Franz Vedder und Heinz Schwarz nicht auftauchen. Nun noch bevor es durch Schwarz zum Aufbau einer Struktur kam, war dieser von der Bildfläche verschwunden. Franz Vedder jedoch, kümmerte sich entgegen einer getroffen Vereinbarung nicht um den Aufbau des DAKfCBNF e.V. sondern darum, daß der DCBD e.V. im Norden Deutschlands eine möglichst flächendeckende Struktur bekam, was zumindest solange klappte, bis ich ihm bei mehreren Veranstaltungen nachweisen konnte, daß durch ihn und andere im DCBD e.V. Gelder von Mitgliedern in großen Stil veruntreut wurden. Das kann an vielen Stellen nachgelesen werden. Unterdessen - dies gilt zumindest in der Zeit als Franz J. Ahne Vorsitzender war -, und auch anfänglich mit Michael Lennarz, dem gegenwärtigen 1. Vorsitzenden, ging es mit dem DAKfCBNF e.V. stetig aufwärts. Ein Landesarbeitskreis nach dem anderen (ich selbst war an der Gründung von 7 Arbeitskreisen unmaßgeblich beteiligt) konnte gegründet werden. Innerhalb von kürzester Zeit waren die alten Bundesländer flächendeckend vertreten.

Doch zurück zu den Anfängen. Nacheinander konnte neben der schrittweisen Verbesserung der Kanäle von 12 AM/FM auf 22 Kanäle FM schließlich 40 Kanäle FM und 12 Kanäle AM erreicht werden. Die Gebühren konnten von anfänglich 15 DM im Monat auf 5 DM (für AM/FM-Geräte) oder einer völligen Gebührenbefreiung (bei 40 Kanal-FM-Geräten) erzielt werden. Erstmals, was einer kleinen Sensation gleich kam, konnte eine nachträgliche Änderung (der Einbau einer S-Meter-Buchse) bei den Behörden durchgesetzt werden. Was aber meiner Meinung nach einer der wichtigsten Fortschritte war: Es gelang den CB-Funk, aus dem "nichtöffentlichen beweglichen Landfunk" herauszunehmen, so daß wirklich jedermann mit einem beliebigen zugelassenen Empfänger, zumindest als Hörer am CB-Funk teilnehmen konnte (eine Bewandtnis, die viele Jahre später wichtig werden sollte). Die vielen anderen, kleinen oder größeren Bewegungen, welche maßgeblich durch die kluge Arbeit von Franz J. Ahne geprägt wurden, setze ich als bekannt voraus. Als viele Jahre später die Regelung für Packet-Radio eingeführt werden konnte, war es wieder Ahne, der im Hintergrund, an der richtigen Stelle die richtigen Fäden gezogen hat, auch wenn er schon längere Zeit nicht mehr Vorsitzender war.

DASS HEUTE DER DEUTSCHE ARBEITSKREIS FÜR CB- UND NOTFUNK IN ALLEN WICHTIGEN DEUTSCHEN ENTSCHEIDUNGSGREMIEN VERTRETEN IST (CEPT, ETSI ect.), DASS ER IN DER LISTE IM BUNDESTAG EINGETRAGEN IST, IST AUCH HEUTE NOCH, OBWOHL SCHON VIELE JAHRE NICHT MEHR IM AMT, AUSSCHLIESSLICH AUF DIE BESONNENE UND ZIELGERICHTETE ARBEIT VON FRANZ J.AHNE BEGRÜNDET.

Alles was nach der wirklich erfolgreichen Arbeit von Ahne kam, war in allerhöchstem Maße unprofessionell, stümperhaft und von einer vernichtenden Außenwirkung begleitet, der den gegenwärtigen Hohn und Spott in der CB-Öffentlichkeit und darüber hinaus begründet. Einige Beispiele sollen verdeutlichen was ich meine:

1.) Als auf den Kanälen 24 und 25 PR in Deutschland eingeführt wurde, war dies einerseits eine gehöriger Sprung nach vorne, andererseits waren die Begleitumstände ein Trauerspiel in mehreren Akten:

Nachdem bei vielen Veranstaltungen um wirksame gemeinsame Richtlinien gekämpft wurden, eine dringend notwendige Rufzeichenregelung gefunden wurde, schien die CB-Welt noch in Ordnung. War die endgültig gefundene Regelung, mit der Rufzeichenstruktur DAA - DRZ mit Abstand das Beste was der Seriösität des CB-Funkes geschehen konnte, ist der DAKfCBNF e.V. unter dem Druck der Schwarzfunker und anderer Funkpiraten zusammen gebrochen und hat diese Regelung zurücknehmen lassen. Hier gab die Führungsebene des DAKFCBNF e.V. dem Druck einer kriminellen CB-Funk-Horde nach. Dies galt auch für das Tolerieren von Software-Piraten und -Verfälschern durch den Deutschen Arbeitskreis - auch in den eigenen Reihen.

2.) Obwohl die Delegierten des DAKfCBNF e.V. der neuen 80 Kanal-Regelung nicht zugestimmt haben, wurde der Beschluß über die Einführung vom DAKfCBNF e.V. wiederspruchslos hingenommen. Wäre hier rechtzeitig, mit der nötigen Kompetenz eingeschritten worden, wäre diese unsägliche Lösung - die ja keine ist - mit all den damit verbundenen Schwierigkeiten schon längst durch eine bessere ersetzt worden.

3.) Die Neugestaltung der AGDUE innerhalb des DAKfCBNF e.V. mit einer weitgeführten oder besser ausgedrückt, einer offensichtlich grenzenlosen Allmacht des gegenwärtigen Sprechers der AGDUE führt in schnellen Schritten von dem Basisdemokratischen Modell des DAKfCBNF e.V. weg, und stellt defacto einen Verein im Verein dar. Ohne das die Delegierten vorher befragt werden, lässt der AGDUE-Sprecher eine öffentliche Diskussion in PR und im Internet veranstalten und macht die Delegierten zu ignorierbaren Deppen, deren Beteiligung an einer Entscheidungsfindung überflüssig geworden ist.

4.) Blicken wir auf die regionalen Arbeitskreise und Arbeitsgemeinschaften, welche die Delegierten entsenden. Wenn zu den Tagungen des DAKfCBNF e.V. Anträge gestellt werden, dann sind diese, mit einer eventuellen Ausnahme vom AK CB-Funk Hessen, Anträge welche die Delegierten eigenständig und ohne Befragung der Mitgliedsvereine fällen. Dringend notwendige -und in der Satzung zwingend vorgeschriebene Basisdemokratische Entscheidungen finden also nicht oder nur mangelhaft statt. Der normale CB-Funker, gleichgültig ob er nun in einem Verein ist oder nicht, wird mangels entsprechendem Engagement der Delegierten, von Entscheidungen ausgeschlossen.

5.) Viele Delegierte halten es nicht für nötig, die Protokolle von Veranstaltungen der Vergangenheit zu lesen. Dort könnte nämlich zweifelsfrei in Erfahrung gebracht werden, wie sinnlos einige der Anträge sind, da sie bereits in der Vergangenheit gestellt - und - behandelt wurden. Nochmals zu den Protokollen: Leider ist es sogar im DAKfCBNF e.V. so, daß die Versammlungsprotokolle in vielen Punkten mit dem tatsächlichen Verlauf der Veranstaltungen nicht übereinstimmen und absichtlich oder fahrlässig unvollständig sind.

6.) Obwohl viele Probleme, die den CB-Funk betreffen, nicht mal angesprochen, geschweige denn behandelt wurden, versucht der gegenwärtige Vorsitzende Michael Lennarz, einen Antrag durchzusetzen, die Vertretungsansprüche der CB-Funker nun auch auf die Funkamateure auszudehnen. Bei der Tagung in Chorin konnte ich diesen sinnlosen Antrag noch verhindern, bei der nächsten Tagung sind viele Delegierte wider besseres Wissen umgefallen und folgten der Spur Ihres Vorsitzenden.

Viele der Delegierten innerhalb des DAKfCBNF e.V. haben den Kontakt zur Funkbasis verloren und haben nicht die geringste Ahnung, was draußen und auf den Frequenzen los ist und was die Funkfreunde bewegt. Wann wurden die Delegierten oder Mitglieder aus der Führungsebene des DAKfCBNF e.V. zuletzt auf CB-Funk gehört oder wann konntet Ihr auf Veranstaltungen mit ihnen sprechen oder diskutieren?

7.) Die obengenannten 7 Punkte stellen nur ein willkürliches Herausgreifen von Mängeln - um nicht von gravierenden Fehler zu sprechen dar. Diese Liste lässt sich jedoch noch um dutzende von Punkten erweitern. Nicht nur sachlich falsch, sondern auch fachlich völlig inkompetent ist das jüngste Statement des Vorsitzenden Michael Lennarz, wonach es nicht erlaubt sei, das auf CB-Funk gesprochene Wort abzuhören. Daran ändert sich auch nichts, wenn das Wirtschaftministerium in die gleiche Kerbe haut. Wer ein Gesetzblatt lesen kann, und dies unterstelle ich dem Vorsitzenden einfach, der kann nachlesen, daß der CB-FUNK und der AMATEURFUNKDIENST ausdrücklich von diesem Verbot ausgenommen sind. Dieser Ansicht folgen unterdessen auch Gerichte in unserem Land.

Liebe Funkfreunde, all die obengenannten und einige nichtgenannte Gründe lassen in mir folgenden Entschluss immer deutlicher reifen:

a:) Es ist nicht mehr möglich, ohne einen erheblichen Verlust an Glaubwürdigkeit und Ansehen (sofern noch vorhanden) in einem Gremium, das sich Deutscher Arbeitskreis für CB-und Notfunk nennt, mitzuarbeiten. Aus diesem Grund werde ich zukünftig an keiner Tagung mehr teilnehmen können und wollen. Ich trete von meinem Delegiertenamt zurück.

b:) Die gleichen Gründe kann ich für den AK-CB-Funk-Mittelfranken vorbringen, auch hier muß ich ab sofort jegliche Mitarbeit einstellen.

c:) Obwohl ich weiß, daß viele Delegierte ebenso denken wie ich, muß ich leider feststellen, daß es Ihnen am Mut zu einer solchen Entscheidung fehlt. Ich bedauere es ausdrücklich, immer nur hinter vorgehaltener Hand von angekündigten Rücktritten zu hören, welchen dann aber die letzliche Entscheidung fehlt.

d:) Die verstärkte Zunahme von Funkfreunden in Organisationen wie der DFA liegt nicht an einem besseren Konzept dieser zur Großmannsucht und Überheblichkeit neigenden Vereinigung eines B.P.H., sondern liegt in der ausschließlichen Inkompetenz eines überheblichen DAKfCBNF e.V.

e:) Ist ist eine Schande, daß durch die Inkompetenz der gegenwärtigen Führungsebene des DAKfCBNF e.V. das Werk eines Franz J. Ahne, der immerhin der Ehrenvorsitzende dieses Verbandes ist, so mit Schmutz beworfen und zerstört wird. Ihr sollte Euch alle schämen.

Wer mir nun einen Fluchteffekt a là Oskar Lafotaine unterstellt, hat meinen offenen Brief nicht verstanden. Deshalb nochmal:

Ich kann eine derartige Ansammlung von Willkürlichkeit, Inkompetenz und Arroganz, wie sie derzeit von einigen im DAKfCBNF e.V. verbreitet wird, nicht mehr tolerieren, sie schadet dem CB-Funk, den CB-Funkern und letztlich auch dem DAKfCBNF e.V. selbst.

Von Stellungnahmen an mich bitte ich abzusehen, da es hier nicht um mich, sondern um den CB-Funk und alle Menschen, die ihn betreiben, geht.

Wer mich als Nestbeschmutzer bezeichnen will, der darf dies gerne tun, zeigt er mir doch, daß er nicht erkannt hat, daß es bereits 5 Minuten nach 12 für den Deutschen CB-Funk ist. Einschließlich des DAKfCBNF e.V.

Mit freundlichen Grüßen

Alexander W. Eisele
bisher Delegierter im AK-CB-Mittelfranken
zum Deutschen Arbeitskreis für CB- und Notfunk

 

(C) FM-FUNKMAGAZIN
www.funkmagazin.de

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